Was ist Wandern, Wandern mit Kindern, Ausblick auf das Ahrtal

Was ist wandern für mich? Und was für meine Kinder?

Wandern ist für mich…

– Oder warum ich mit meinen Kindern wandern gehe

Als ich von der Bloggerparade „Wandern ist für mich…“ von Elke Bitzer (Blog „Fotografische Reisen und Wanderungen“) hörte, dachte ich: „Da muss ich mitmachen!“ Darüber wollte ich sowieso mal schreiben und vor allem, warum ich mit meinen Kindern wandern gehe. Ich meine, Kinder finden doch laufen blöd, oder? Oder doch nicht?

Ich fange an, über das Thema nachzudenken: Was ist eigentlich wandern? Und was ist Wandern für mich? Ich merke, es ist gar nicht so einfach, wie ich dachte. Die vielen Berichte in dieser Bloggerparade bestätigen das. Wandern ist etwas sehr individuelles: Die einen mit Hund, die anderen mit Kamera. Die einen lieber etwas ebener und sicherer, die anderen lieber alpin und abenteuerlustig. Und ich mit Kind und Kegel.

Die Gedanken ziehen in meinem Kopf Kreise von „Warum wandere ich?“ über „Was fühle ich beim Wandern“ und enden in der Soziologie. Soziologie…??? Ja, denn Wandern ist für mich Entschleunigung!
Entschleunigung, Sauerstofftanken, sowie Natur erleben und entdecken! Das ist meine Antwort auf die Frage: „Was ist Wandern für dich?“

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Beim Wandern mit Kindern lerne ich die Langsamkeit schätzen.

Warum ist Wandern für mich Entschleunigung?

Fahre ich viele kurze Strecken mit dem Auto, werde ich ruhelos und fühle mich gestresst. Ich denke, ich schaffe mehr in kurzer Zeit. Zähle ich aber die Zeit mit, die ich damit verbringe zum Auto zu gehen, einzusteigen und eventuell Kind anzuschnallen, um am Ziel das Gleiche wieder andersherum zu tun, merke ich, zu Fuß wäre ich genauso schnell gewesen mit weniger Stress. Fahre ich viel mit dem Fahrrad und laufe ich, fühle ich mich ausgeglichener.

Sobald meine Kinder laufen konnten, war es mir wichtig, dass sie laufen: Zum Spielplatz, zum Supermarkt, zum Kindergarten oder zur Innenstadt. Und laufen mit kleinen Kindern ist langsam, manchmal sehr langsam. Doch ich merkte, es tat mir gut – und den Kindern auch. Hier ein Mäuerchen zum Balancieren und da schöne Blümchen im Garten.

Irgendwann liefen wir nicht mehr nur in der Stadt, sondern es ging in den Wald hinein, zum See und – seit dem wir nahe dem Mittelgebirge wohnen – dorthin. Der Übergang vom Spazierengehen mit Kindern zum Wandern mit Kindern war schleichend.

Wandern ist für mich also ein Ausbrechen aus dem Stress des Alltags hinein in die Natur, die entdeckt und kennengelernt werden will. Die Natur ist meine zweite Komponente, wenn es ums Wandern geht.

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Wandern mit Kindern heißt, klettern, balancieren, spielen und die Natur entdecken.

Warum ich beim Wandern die Natur entdecken möchte?

Die Natur ist unser Lebensgarant. Nicht nur der Sauerstoff der Bäume, sondern auch das Wasser der Bäche und Flüsse. Beeren und Früchte von Pflanzen – auch Tiere haben uns Menschen von jeher ernährt. Holz und Stein sind Baustoffe. Holz, Öl und Gas wärmen uns und lassen uns kochen. Und vielleicht üben Holz, Stein und Wasser gerade deshalb eine magische Anziehungskraft auf Kinder aus. Gehen Kinder durch den Wald, wird gesammelt, gebaut, balanciert und geklettert was das Zeug hält. Geschweige denn, man lässt sie.
Hier liegt die Antwort auf die Frage, was ist Wandern für Kinder? In einem Wort: Abenteuer!

Mir ist es nicht wichtig, ob wir vier Kilometer in einer oder in drei Stunden zurücklegen. Für mich ist Wandern mit Kindern lieber eine Stunde länger unterwegs sein, dafür Zeit haben zum Kraxeln, Staudamm bauen oder für ein ausgiebiges Picknick. Längere Feldwege und Straßen meiden wir. Gipfelkreuze sind für Erwachsene toll – aber für Kinder nicht. Sie sind abstrakt: „Was soll denn das Kreuz hier?“ hört man nicht selten von Kindern.

Unsere erste Wanderung als Familie ging zum Teufelsloch bei Altenahr. Eine super Tour für Kinder, wie ich finde: Wald, Schiefer, Kraxeln, Ausblick, Spielen am Fluß und eine Jugendherberge mit Kiosk zum Eis kaufen.
Wandern ist für mich Abenteuer und drittens: Bewegung an der frischen Luft!

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Wandern mit Kinder heißt, Abenteuer erleben: Das Teufelsloch bei Altenahr in der Eifel!

Warum bewege ich mich eigentlich gerne an der frischen Luft?

Gute Frage? Schließlich könnte ich mich ja auch in einem Fitnesscenter oder beim Handball austoben. Ich glaube, das ist mein Naturell. Schon als Kind habe ich oft und so lange es ging draußen gespielt. Vier Wände engen mich ein. Draußen sein bedeutet für mich Freiheit und… eine extra Portion Sauerstoff.
Wandern ist für mich Freiheit, Sauerstoff und viertens: Familienzeit!

Warum ich lieber gemeinsam statt einsam wandere?

Erstmal fühle ich mich sicher, wenn ich mit jemandem zusammen wandere. Ich bin nicht schlecht im Orientieren und Karten lesen – aber ich bin manchmal chaotisch… Da hilft es jemanden bei sich zu haben, der seine Gedanken besser im Griff hat und sich nicht von jeder Blume am Wegesrand ablenken lässt. Und am Ende noch weiß, ob man auf dem Weg Nr.6 oder Nr.8 unterwegs ist.

Außerdem bin ich ein Rudeltier. Ich bin gerne mit Menschen zusammen.

Zur Zeit wandere ich am liebsten mit meiner Familie. Denn das Wandern ist eine intensive Zeit, die es so zu Hause nicht gibt. Wer lässt sich nicht vom Spiel der Kinder einfangen und sieht sich plötzlich im Wald eine Hütte bauen? Wer lässt sich nicht überreden, die gefühlten hundert gesammelten Stöcke der Kinder zum Auto zu tragen, weil ihre Arme nicht mehr fassen können? Und wer freut sich nicht über ein „Das war das geilste, was ich je gemacht habe!“? Obwohl einem noch das Murren beim Wort „Wandern“ im Ohr ist, als es los ging.

Wandern ist für mich ein Familienerlebnis – auch wenn das Wandern mit Kindern für Eltern nicht immer Entspannung bedeutet.

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Wandern mit Kindern heißt, gemeinsam entdecken.

Warum ich beim Wandern mit Kindern meistens nicht entspannen kann

Wie oben beschrieben steht für Kinder beim Wandern das Abenteuer im Vordergrund. Abenteuer bergen aber meistens Gefahren – sonst wäre es ja nicht aufregend und kein Abenteuer! Klettern meine Kinder auf einen Baum oder einen Felsen hoch, stehe ich innerlich meist nicht so relaxed daneben wie es äußerlich aussieht. Laufen wir, zwei Erwachsene und drei Kinder, einen schmalen Weg entlang, an dem es seitlich steil abwärts geht, gehe ich innerlich nicht so entspannt hinterher, wie es nach außen scheint.

Ich habe die Verantwortung; und auch ich stelle mir vor, was alles passieren kann und das ist gut so. Es fördert das Überleben des Menschen, um es mal so zu sagen. Aber es lehrt mich auch, meinen Kindern zu vertrauen und ihnen etwas zuzutrauen. Am Ende einer Tour bin ich stolz auf sie. Ich weiß, was die Kurzen können oder auch schaffen können. Das entspannt mich an anderen Stelle wieder.

Wandern mit Kinder ist für mich oft nicht Entspannung aber immer Abschalten, sobald der erste Fuß vor den anderen gesetzt ist. Und die Kinder davon rennen.

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Wandern mit Kindern heißt, vertrauen und zutrauen lernen. (Klettern an den Eschbacher Klippen im Taunus)

Was ist Wandern für mich?

Entschleunigung, die Natur und Abenteuer mit den Kindern erleben, den Sauerstofftank füllen, mich frei fühlen, Familienzeit! Für mich persönlich auch bei Regen. Ich mag Regen. Mich beruhigt Regen. Aber damit stehe ich in der Familie ziemlich alleine da…
Wandern mit Kindern fordert mich heraus, Kompromisse zuschließen, den Bedürfnissen von Erwachsenen und Kindern auf den Touren nachzukommen.

Mit nach Hause nehme ich den gefüllten Sauerstofftank, einen Adrenalinschub (vom Abenteuer und Verantwortungsfeeling) und die Farben der Natur. Wie lange das anhält? Manchmal nur ein Tag, manchmal zwei Wochen oder einen Monat. Es hängt stark davon ab, was so alles passiert und wieviel von der Tankfüllung abgegeben werden muss. Deshalb versuche ich, weiterhin viele kleine Wege zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren, um stetig wenigstens ein bisschen aufzutanken.

Picknick mit Ewigkeitswert:

Die erste Wanderung, an die ich mich am besten erinnere, war die in der ersten Klasse. Wir wanderten von unserer Schule mit unserem Dorfschulmeisterlein zu einer Kapelle und weiter zum nächsten Dorf. Etwa sechs Kilometer – ohne Eltern, wie damals üblich.

Doch nicht an die Länge der Wanderung erinnere ich mich, sondern an die Highlights: An den rot karierten Schottenmuster-Rucksack mit Brotbüchse und Trinkflasche, den ich mit Stolz trug. Und das Picknick am Waldrand. Dort stand eine Bank und ein Wegekreuz, ich weiß es noch genau.

Und du? Was ist wandern für dich? Schreibe mir deine Wandererfahrungen.